UPPW-Vortrag Nr. 75

Präsenzveranstaltung – Hallischer Saal, Burse zur Tulpe, Universitätsring 5, 1. Etage

Dienstag, 27. Januar 2026, 16:00 -18:00 Uhr

PD Dr. Björnstjern Baade, Universität Bremen

Glyphosat: Objektivität und Vertrauen in der Risikobewertung

Die Risiken, die von Pestiziden und ihren Wirkstoffen ausgehen können, stoßen regelmäßig auf großes öffentliches Interesse. Denn ihre Bewertung wirft folgenreiche naturwissenschaftliche und rechtliche Fragen auf, die gleichermaßen komplex wie umstritten sind. Dies gilt insbesondere für den Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat, der oft im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und die Legitimität des europäischen Zulassungssystems insgesamt infrage stellt.


Seit vielen Jahren entzündet sich eine Kontroverse an der Frage, ob Glyphosat wahrscheinlich krebserregend ist. Während die EU eine solche Einstufung ablehnte, gelangte die Krebsagentur der Weltgesundheits-organisation zur gegenteiligen Einschätzung. Versuche des früheren Herstellers Monsanto, in missbräuchlicher Weise Einfluss auf den Bewertungsprozess zu nehmen, schüren Zweifel daran, inwiefern den behördlichen Einschätzungen Vertrauen geschenkt werden sollte.


Der Vortrag lädt dazu ein, über die Rolle des Rechts nachzudenken, indem er das Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlicher Expertise, politischer Entscheidungsfindung und gesellschaftlicher Akzeptanz beleuchtet. Denn das europäische Zulassungsverfahren greift nicht lediglich auf bereits existierende naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu, sondern stellt spezifische Anforderungen an dieses Wissen und legt somit fest, was – für die Zwecke des Verfahrens – als Wahrheit zu gelten hat. Am Beispiel der Glyphosat-Zulassung wird herausgearbeitet, wie das Europarecht versucht, Misstrauen zu institutionalisieren, um Unabhängigkeit, Objektivität und damit Akzeptanzfähigkeit zu sichern. Da diese Bemühungen auf eine verbreitete Skepsis stoßen, werden schließlich Reformvorschläge erwogen.

Zum Referenten:

PD Dr. Björnstjern Baade: Studium der Rechtswissenschaft in Berlin und Birmingham; Promotion 2016 zur demokratietheoretischen Kritik am EGMR; Habilitation 2022 zu Störung und Schutz regulatorischer, asylrechtlicher und medialer Wahrheitsfindung; im SoSe 2026 Vertretungsprofessur an der Universität Bremen.

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