UPPW-Vortrag Nr. 77

Präsenzveranstaltung – Hallischer Saal, Burse zur Tulpe
Universitätsring 5, 1. Etage

Dienstag, 30. Juni 2026, 16:00 – 18:00 Uhr

Dr. Marcus Lau, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht

Das Elliniki-Urteil des EuGH und seine praktischen Konsequenzen

Mit Urteil vom 12. September 2024 im Fall Elliniki justierte der Europäische Gerichtshof die Festlegung der Erhaltungsziele von EU-Vogelschutzgebieten neu. Da die gebietsbezogenen Erhaltungsziele zugleich auch den Maßstab für die FFH-Verträglichkeitsprüfung bilden, verspricht dieses Urteil, erhebliche Auswirkungen auf die Praxis zu haben. Ob dem tatsächlich so ist und wenn ja, konkret was daraus für die Durchführung von FFH-Verträglichkeitsprüfungen folgt, ist fraglich.

Inzwischen bot sich auch der Rechtsprechung hierzulande die ein oder andere Gelegenheit der Auseinandersetzung mit diesem Urteil. Dies hat zur Klärung einer Reihe von Fragen beigetragen. In der Praxis besteht jedoch nach wie vor eine erhebliche Verunsicherung, was durch das aktuell laufende Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Kommission gegen Deutschland wegen unzureichender Erhaltungsziele bei den EU-Vogelschutzgebieten noch verstärkt wird.

Das Referat stellt das Elliniki-Urteil vom 12. September 2024 in seinen maßgebenden Erwägungen vor und zeigt die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Verwaltungspraxis, insbesondere die FFH-Verträglichkeitsprüfung, unter Berücksichtigung der einschlägigen nationalen Rechtsprechung auf.

Zum Referenten:

Dr. Marcus Lau, geboren am 11.12.1978, ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht. Er absolvierte 2004 sein Jurastudium an der Universität Leipzig. Nach seinem Referendariat in Leipzig und Windhoek (Namibia) promovierte er zum Thema „Die Kontrolle des Schutzes von Natur und Landschaft in der Bauleitplanung“. Zeitgleich begann er seine Tätigkeit in der auf das öffentliche Recht spezialisierten Rechtsanwalts-kanzlei Füßer & Kollegen, in der er seit 2010 auch Partner ist. Herr Dr. Lau
berät und vertritt vor allem Behörden sowie öffentliche und private Vorhabenträger in Planungs- und Zulassungsverfahren. Er publiziert regelmäßig insbesondere zu naturschutzrechtlichen Themen, kommentiert u.a. das Artenschutzrecht in dem im Erich Schmidt Verlag erscheinenden Berliner Kommentar zum Bundesnaturschutzgesetz und ist Mitherausgeber der Fachzeitschrift „Natur und Recht“.

UPPW-Vortrag Nr.76

Präsenzveranstaltung – Hörsaal XVI (Melanchthonianum), Universitätplatz 9

Dienstag 09. Juni 2026, 16:00 – 18:00 Uhr

Miriam Dross, LL.M., Umweltbundesamt

Das neue Straßenverkehrsrecht – Paradigmenwechsel zugunsten von Umwelt- und Klimaschutz

Der öffentliche Straßenraum hat viele Funktionen. Bislang stand vor allem der Kfz-Verkehr im Mittelpunkt, denn fahrende und parkende Autos belegen einen großen Teil der Fläche. Zunehmend fordern andere Nutzungen wie der Rad- und Fußverkehr oder das Straßengrün und Stadtbäume Platz ein. Im über mehrere Jahre erfolgten Novellierungsprozess von Straßenverkehrsgesetz, Straßenverkehrs-Ordnung und der entsprechenden Verwaltungsvorschrift hat jetzt ein grundlegender Paradigmenwechsel stattgefunden. Die neuen Ziele Umwelt- und Klimaschutz, Gesundheit und städtebauliche Entwicklung dienen jetzt als Anordnungs-gründe für verkehrliche Anordnungen, neben der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs. Die Novelle beeinflusst damit Fuß- und Radwege, Busspuren, die Parkraumbewirtschaftung und Tempo 30. Auch interessante verfassungsrechtliche Fragen spielten im Gesetzgebungsprozess eine Rolle.

Der Vortrag gibt einen Einblick in den Gesetzgebungsprozess, relevante Rechtsfragen und zeigt Praxisbeispiele.

Zur Referentin

Miriam Dross, LL.M. ist Volljuristin und leitet seit 2021 das Fachgebiet Nachhaltige Mobilität in Stadt und Land am Umweltbundesamt. Das Fachgebiet führt Forschungsvorhaben im Bereich nachhaltige Stadtmobilität, u. a. zu Rad- und Fußverkehr, Anreizen für nachhaltiges Mobilitätsverhalten, Straßenraumumverteilung und ÖPNV durch und bearbeitet straßenverkehrsrechtliche Fragen. Das FG ist Koordinierungsstelle der Europäischen Mobilitätswoche und Focal Point des UNECE-Programms für aktive Mobilität und Gesundheit in der Bundesregierung.

UPPW-Vortrag Nr. 75

Präsenzveranstaltung – Hallischer Saal, Burse zur Tulpe, Universitätsring 5, 1. Etage

Dienstag, 27. Januar 2026, 16:00 -18:00 Uhr

PD Dr. Björnstjern Baade, Universität Bremen

Glyphosat: Objektivität und Vertrauen in der Risikobewertung

Die Risiken, die von Pestiziden und ihren Wirkstoffen ausgehen können, stoßen regelmäßig auf großes öffentliches Interesse. Denn ihre Bewertung wirft folgenreiche naturwissenschaftliche und rechtliche Fragen auf, die gleichermaßen komplex wie umstritten sind. Dies gilt insbesondere für den Pflanzenschutzmittelwirkstoff Glyphosat, der oft im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und die Legitimität des europäischen Zulassungssystems insgesamt infrage stellt.


Seit vielen Jahren entzündet sich eine Kontroverse an der Frage, ob Glyphosat wahrscheinlich krebserregend ist. Während die EU eine solche Einstufung ablehnte, gelangte die Krebsagentur der Weltgesundheits-organisation zur gegenteiligen Einschätzung. Versuche des früheren Herstellers Monsanto, in missbräuchlicher Weise Einfluss auf den Bewertungsprozess zu nehmen, schüren Zweifel daran, inwiefern den behördlichen Einschätzungen Vertrauen geschenkt werden sollte.


Der Vortrag lädt dazu ein, über die Rolle des Rechts nachzudenken, indem er das Spannungsverhältnis zwischen wissenschaftlicher Expertise, politischer Entscheidungsfindung und gesellschaftlicher Akzeptanz beleuchtet. Denn das europäische Zulassungsverfahren greift nicht lediglich auf bereits existierende naturwissenschaftliche Erkenntnisse zu, sondern stellt spezifische Anforderungen an dieses Wissen und legt somit fest, was – für die Zwecke des Verfahrens – als Wahrheit zu gelten hat. Am Beispiel der Glyphosat-Zulassung wird herausgearbeitet, wie das Europarecht versucht, Misstrauen zu institutionalisieren, um Unabhängigkeit, Objektivität und damit Akzeptanzfähigkeit zu sichern. Da diese Bemühungen auf eine verbreitete Skepsis stoßen, werden schließlich Reformvorschläge erwogen.

Zum Referenten:

PD Dr. Björnstjern Baade: Studium der Rechtswissenschaft in Berlin und Birmingham; Promotion 2016 zur demokratietheoretischen Kritik am EGMR; Habilitation 2022 zu Störung und Schutz regulatorischer, asylrechtlicher und medialer Wahrheitsfindung; im SoSe 2026 Vertretungsprofessur an der Universität Bremen.

UPPW-Vortrag Nr- 74

Präsenzveranstaltung – Hallischer Saal, Burse zur Tulpe, Universitätsring 5, 1. Etage

Dienstag, 27. Januar 2026, 16:00 -18:00 Uhr

Rechtsanwalt Stefan Kopp-Assenmacher, KOPP ASSENMACHER Rechtsanwälte

Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie – Ziele, Maßnahmen und
Umsetzung in der Praxis


Am 4.12.2024 hat die Bundesregierung die Nationale
Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) verabschiedet. Die Strategie
umfasst eine Vielzahl von Zielen und Maßnahmen zur weiteren
Verbreiterung und Vertiefung der Kreislaufwirtschaft. Angefangen
von Ideen zur Abfallvermeidung eröffnet sie Räume für neue
Instrumente, u.a. für eine umweltbewusste Konzeption von
Produkten und die Steigerung des Einsatzes von Sekundärrohstoffen
bis hin zu Maßnahmen der ökologischen Kreislaufführung von
Rohstoffen und der Senkung des Primärrohstoffverbrauchs. Die
NKWS adressiert sowohl Industrie und gewerbliche Wirtschaft als
auch die Entsorgungs- und Recyclingbranche und fasst damit
zusammen, wie Deutschland mittel- und langfristig eine
kreislauforientierte Wirtschaft entwickeln will.


Der Vortrag geht auf die Ziele und Maßnahmen der NKWS ein und
befasst sich mit den damit verbundenen Chancen zur Schließung von
Kreisläufen. Dabei verbindet der Vortrag die NKWS mit den
europäischen Entwicklungen, ausgehend vom Konzept der Circular
Economy auf der Grundlage des Green Deal und mit Blick auf die mit
dem geplanten Circular Eonomy Act verbundenen Erwartungen.
Schließlich ist auch der aktuelle Stand der Umsetzung zu bewerten
und sind die nächsten Verfahrensschritte zu betrachten.

Zum Referenten:

Stefan Kopp-Assenmacher ist Rechtsanwalt im Umwelt- und
Planungsrecht. Studium in Göttingen, Wien, Berlin. Seit 1999
Rechtsanwalt. 2013 Gründung der Kanzlei KOPP-ASSENMACHER
Rechtsanwälte. Seit 2015 Lehrbeauftragter für Ressourcenschutzrecht
an der Universität Lüneburg. Seit 2020 Geschäftsführender
Herausgeber der Zeitschrift „Umweltrechtliche Beiträge in
Wissenschaft und Praxis“ (UWP). Seit 2022 Mitherausgeber der
“Zeitschrift für das Recht der Kreislaufwirtschaft” (AbfallR). Zahlreiche
Fachvorträge, Veröffentlichungen und ehrenamliche Gremienarbeit im
Umweltrecht.

UPPW-Vortrag Nr. 73

Präsenzveranstaltung – Hallischer Saal, Burse zur Tulpe, Universitätsring 5, 1. Etage

Dienstag, 20. Januar 2026, 16:00 -18:00 Uhr

Dr. Jörg Rechenberg, Umweltbundesamt

Die Nationale Wasserstrategie: Entstehung, Inhalte und Auswirkungen
auf das Recht und die Praxis

Wasserwirtschaft und Gewässerschutz stehen durch Klimawandel, Modernisierungsbedarf bei Infrastrukturen, diverse Stoffeinträge und demografischen Wandel vor vielfältigen Herausforderungen. Als eine Antwort darauf hat das Bundeskabinett am 15.03.2023 die Nationale Wasserstrategie (NWS) verabschiedet und auch die derzeitige Regierung hat sich zu deren Inhalten bekannt. Mit dieser Strategie und dem dazugehörigen Aktionsprogramm wird die Grundlage für ein zukunftsfähiges Management unserer Wasserressourcen und den Schutz unserer Gewässer gelegt.

Der Verabschiedung ging ein langjähriger und umfassender Stake-holderdialog mit vielen (Fach-)Veranstaltungen voraus, um ein möglichst umfassendes Lagebild zu erhalten, Problembewusstsein bei den Betroffenen zu schaffen, Handlungsoptionen zu diskutieren und Akzeptanz für die zu treffenden Maßnahmen zu erzielen.

Der Vortrag wird die wasserwirtschaftlichen Herausforderungen beleuchten, den Prozess zur erfolgreichen Verabschiedung der NWS beschreiben und die Ziele, strategischen Themen und ausgewählte Aktionen der NWS darstellen. Die Aktionen werden dabei anhand von praktischen Beispielen in einen Kontext zum gegenwärtigen und noch zu schaffenden künftigen Rechtsrahmen gestellt.

Zum Referenten:

Dr. Jörg Rechenberg: Studium der Rechtswissenschaft und Promotion im europäischen Umweltrecht; seit 1993 im Umweltbundesamt, seit 2003 Leiter des Fachgebietes »Übergreifende Angelegenheiten Wasser und Boden«; Tätigkeitsschwerpunkte: Wasserrecht und ökonomische Fragen der Wasserwirtschaft, Wassernutzungsabgaben; Begleitung des Spurenstoffdialogs und des nationalen Wasserdialogs, Konzeption und Umsetzung diverser Aktionen der Nationalen Wasserstrategie; Klimawandelanpassung: Strategien gegen Trockenheit/Dürre, Water Reuse; Grundwasserschutz und -monitoring, Auswirkungen von Fracking, CCS, Geothermie und landwirtschaftlicher Nutzung.

UPPW-Vortrag Nr. 72

Präsenzveranstaltung HS XIX (Melanchthonianum, Universitätsplatz 9)

Dienstag, 09.12.2025, 16:00 – 18:00 Uhr

Prof. Dr. Dirk Hanschel

Das Klimagutachten des IGH und seine möglichen Auswirkungen auf
das deutsche Umweltrecht

Am 23. Juli 2025 hat der Internationale Gerichtshof (IGH)
sein lang erwartetes Gutachten zu den Verpflichtungen der
Staaten in Bezug auf den Klimawandel veröffentlicht. Das
Gericht der Vereinten Nationen stellte fest, dass das Recht auf
eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt Grundlage
der Ausübung anderer Menschenrechte sei. Aus dem Völkerrecht lasse sich zudem eine Verpflichtung aller Staaten zu
effektivem Klimaschutz ableiten.

Nach einem kurzen Überblick über den Inhalt und Kontext
des Gutachtens befasst sich der Vortrag mit seinen Auswirkungen auf das deutsche Umweltrecht, nicht zuletzt vor
dem Hintergrund möglicher weiterer Klimaklagen. Es wird
aufgezeigt, welche Herausforderungen und Chancen mit
einer effektiven Berücksichtigung des Gutachtens verbunden sind und wie sich dies auf die umweltrechtliche Praxis
auswirken könnte.

Zum Referenten: Prof. Dr. Dirk Hanschel ist seit 2015 Inhaber des Lehrstuhls für Deutsches, Europäisches und Internationales Öffentliches
Recht an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Seine Forschungsschwerpunkte sind neben dem vergleichenden Verfassungsrecht insbesondere das internationale Umweltrecht sowie die Menschenrechte.

UPPW-Vortrag Nr- 71

Präsenzveranstaltung –  Hallischer Saal (Burse zur Tuple, Universitätsring 5, 1. Etage)

Dienstag, 17.06.2025, 18:00 – 20:00 Uhr

Altkleider – eine größere wirtschaftliche Krise verdeutlicht Schwächen des Kreislaufwirtschaftsrechts

Dr. Frank Wenzel, Rechtsanwalt

Die Bedeutung der Textilproduktion für den Klima- und Ressourcenschutz ist allgemein bekannt. Nach EU-Erhebungen verbrauchte z.B. im Jahr 2020 ein Durchschnittsbürger neun Kubikmeter Wasser, 400 Quadratmeter Land und 391 kg Rohstoffe, um Kleidung und Schuhe für sich herstellen zu lassen. Zugleich fallen in Deutschland 1Mio. Tonnen Alttextilien pro Jahr an. Deutschland ist unter den führenden Altkleider-Exporteuren der Welt. Spiegelbildlich beschränkt sich die Abnahme von Altkleidern für den heimischen Markt auf eine vergleichsweise geringe Menge. Auch Sortierkapazitäten sind überschaubar, ihre Stückkosten sind aufgrund der Personalintensität der Leistungen vergleichsweise hoch. Die aktuelle Krise des Altkleidermarktes schüttelt die Branche entsprechend durch. Die Erlöse steuern die Nullmarke an, Anbieter stellen den Betrieb ein und ein namhafter Anbieter von Sortierleistungen meldete jüngst sogar Insolvenz an. Die Krise legt zugleich die Schwächen des Kreislaufwirtschaftsrechts und seiner Anwendung offen.

Dr. Frank Wenzel wird in seinem Vortrag auf die gegenwärtige Systematik des Kreislaufwirtschaftsrechts eingehen, die unterschiedliche Erfassungs- und Verwertungswege für Altkleider ermöglicht. Neben der Entsorgungsstruktur der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger stehen privatrechtliche Systeme zur Verfügung, unter anderem über gewerbliche Sammlungen und Rücknahmesysteme. In der Praxis gewährleistet die vorhandene Struktur allerdings keine befriedigenden Ergebnisse. Es werden die Schwächen des bestehenden Regelungssystems aufgezeigt und neben der anstehenden Erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) andere Lösungsansätze aufgezeigt, die sich nicht auf das Kreislaufwirtschaftsrechts beschränken, sondern sich z.B. auch auf Fragen des Produkt- und Stoffrechts, aber auch z.B. des Vergabe- und Straßenrechts erstrecken. Zugleich wird aufzuzeigen sein, dass sich Erkenntnisse hieraus auch auf andere Stoffströme der Kreislaufwirtschaft übertragen lassen.

Zum Referenten: Dr. Frank Wenzel ist Rechtsanwalt, Fachanwalt für Vergaberecht und Partner der Kanzlei GGSC www.ggsc.de in Berlin. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen im Umwelt- und im öffentlichen Wirtschaftsrecht. Er berät und vertritt insbesondere öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger. Ferner ist er Vortragender und Autor, unter anderem auch als Mitherausgeber der Zeitschrift für Umweltrecht (ZUR).

UPPW-Vortrag Nr. 70

Präsenzveranstaltung HS B (Melanchthonianum, Universitätsplatz 9)

Dienstag, 03.06.2025, 16:00 -18:00 Uhr

Nachbargemeindlicher Rechtsschutz gegenüber großflächigem Einzelhandel

Prof. Dr. Andreas Decker, Richter am Bundesverwaltungsgericht

In den Verfahren 4 C 1.23 (Urteil vom 24.4.2024) und 4 C 3.23 (Urteil vom 26.9.2024) geht es um die Klage einer Nachbargemeinde gegen einen großflächigen Sportfachmarkt, der auf der Grundlage eines – sich nachträglich als unwirksam erweisenden – Bebauungsplans zugelassen worden ist. An diesen Fällen wird der Referent die Dogmatik des Nachbarschutzes nach der Rechtsprechung des BVerwG darstellen. Insbesondere geht es dabei um die Frage, ob § 11 Abs. 3 BauNVO drittschützende Wirkung besitzt und wenn nicht, wie eine Nachbargemeinde sich gegen solche Vorhaben zu Wehr setzen kann, wenn sie befürchtet, dass diese negative Auswirkungen auf ihre zentralen Versorgungsbereiche hat. Zentral ist dabei auch die Frage, ob es einen Unterschied macht, wenn die bauplanungsrechtliche Zulässigkeit nun (aufgrund der Unwirksamkeit des hierfür aufgestellten Bebauungsplans) auf der Grundlage eines älteren Bebauungsplans, nach § 34 BauGB oder nach § 35 BauGB zu beurteilen ist.

Zum Referenten:

Prof. Dr. Andreas Decker ist seit 2012 Richter am Bundesverwaltungsgericht und war dort im 7. und 4. Senat tätig. Im Januar 2025 wechselte er in den für das Energieleitungsrecht zuständigen 11. Senat des Bundesverwaltungsgerichts. Seit 2023 ist er Honorarprofessor an der Juristischen Fakultät der Universität Augsburg. Prof. Decker veröffentlichte bereits zahlreiche Aufsätze und Artikel und schreibt an wichtigen Kommentaren und Lehrbüchern mit.

UPPW – Vortrag Nr. 69

Präsenzveranstaltung – Hallischer Saal (Burse zur Tulpe, Universitätsring 5, 1. Etage

Dienstag, 29.04.2025, 16:00 – 18:00 Uhr

Risikomanagement in Trinkwassereinzugsgebieten – neue Herausforderungen für Behörden und Wasserwirtschaft

Bettina Rickert, De / Anne-Barbara Walter, Dessau- Roßlau (UBA)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt bereits seit 2004 ein Risikomanagement in der Trinkwasserversorgung. Mit der EU-Trinkwasserrichtlinie ((EU) 2020/2184) wurde dies für Wasserversorgungs-anlagen und Trinkwassereinzugsgebiete rechtlich verankert. Die nationale Umsetzung erfolgte 2023 durch die neu gefasste Trinkwasserverordnung sowie die Erarbeitung einer neuen Trinkwassereinzugsgebieteverordnung (TrinkwEGV). Damit hat der risikobasierte Ansatz für sicheres Trinkwasser Eingang in das deutsche Recht gefunden. Künftig ist es Aufgabe der Wasserversorgungsunternehmen, die Trinkwassereinzugsgebiete zu identifizieren und zu bewerten und darauf aufbauend Untersuchungsprogramme zu entwickeln. Die Behörden hingegen übernehmen die Federführung für Risikomanagementmaßnahmen.

Der Vortrag beleuchtet näher, was sich inhaltlich hinter dem Risiko-management für Trinkwassereinzugsgebiete von Trinkwasserver-sorgungen verbirgt. Er stellt die neuen rechtlichen Vorgaben der TrinkwEGV vor und zeigt die Aufgabenverteilung zwischen den Ressorts, Behörden und Betreiber*innen auf. Darüber hinaus gibt der Vortrag einen Überblick zu fertiggestellten und geplanten Veröffentlichungen, die die Umsetzung und den Vollzug der neuen rechtlichen Anforderungen in Deutschland unterstützen sollen.

Zur Person:

Bettina Rickert, Dessau-Roßlaus, ist Umweltingenieurin und seit 2009 am Umweltbundesamt tätig. Sie leitet dort das WHO-Kooperationszentrum für Forschung auf dem Gebiet der Trinkwasserhygiene. Ihre Schwerpunktthemen sind das Risikomanagement in der Trinkwasserversorgung und der sichere Betrieb von kleinen Trinkwasserversorgungen. Unter anderem koordiniert sie die Arbeiten der Bund-Länder Arbeitsgruppe Kleinanlagen, und war beteiligt an der Entwicklung der neuen WHO Trinkwasserleitlinien für kleine Wasserversorgungen sowie an Publikationen der Weltgesundheitsorganisation zum Risikomanagement.

Anne-Barbara Walter, Dessau-Roßlau, ist Juristin und seit 2006 am Umweltbundesamt tätig. Nach dem Jurastudium und dem Referendariat absolvierte sie 2006 den Masterstudiengang „Umweltrecht“ an der Universität Lüneburg. Ihre Themenschwerpunkte sind das nationale und europäische Wasserrecht, das landwirtschaftsbezogene Umweltrecht sowie das Trinkwasserrecht.

UPPW – Vortrag Nr. 68

Präsenzveranstaltung – DozentenBibliothek Zivilrecht (Thomasianum, Universitätsplatz 10a, 1. Etage)

Dienstag, 28.01.2025, 16:00 – 18:00 Uhr

Die neue Umweltstrafrechtsrichtlinie – Herausforderungen und Chancen

Franziska Schultze, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Umweltbundesamt

Im April 2024 ist die neue EU-Richtlinie über den strafrechtlichen Schutz der Umwelt in Kraft getreten. „Der Anstieg der Umweltkriminalität und deren Auswirkungen […] geben in der Union weiterhin Anlass zur Sorge“ – so der Erwägungsgrund 3 der Richtlinie. Es besteht also offenbar Handlungsbedarf. Neben einigen neuen bzw. erweiterten Straftatbeständen enthält die neue Richtlinie daher auch zahlreiche Vorschriften, die das Verfahren betreffen. Bis Mai 2026 muss diese von den Mitgliedstaaten ins nationale Recht umgesetzt werden. Da stellt sich die Frage, welcher Umsetzungsbedarf auf Deutschland zukommt. Welche Neuerungen sind für das deutsche Recht zu erwarten? Wo liegen die Herausforderungen aber auch Chancen?

Nach einem kurzen Überblick über die wesentlichen Neuregelungen der Richtlinie beleuchtet der Vortrag den voraussichtlichen Umsetzungsbedarf im deutschen Recht. Dabei wird auch aufgezeigt, welche Aspekte besonders herausfordernd werden könnten und welche Chancen eine gelungene Umsetzung für die Bekämpfung der Umweltkriminalität bietet.

Zur Person:

Franziska Schultze ist seit 2023 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Umweltbundesamt. Ihre Themenschwerpunkte sind neben dem Umweltstrafrecht auch das Planungs- und Genehmigungsrecht sowie übergreifende Fragen der Weiterentwicklung von verfahrensrechtlichen Instrumenten, besseren Rechtsetzung und Digitalisierung im Umweltbereich. Nach dem Jurastudium absolvierte sie 2021 den Masterstudiengang Medizin-Ethik-Recht und 2023 das Referendariat in Halle (Saale). In den Jahren 2014-2023 war sie zunächst als studentische Hilfskraft, später als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der MLU tätig.